Der Wüsten- und Gasstaat Katar hat gerade mal 250’000 einheimische Bewohner. Das ist zu wenig für ein Land, das in den letzten Jahren auf der politischen Weltbühne eine Rolle für sich beansprucht, eine Skyline wie Hongkong anstrebt und 2022 die Fussball-WM durchführen will. Es gibt kaum katarische Polizisten, kaum Soldaten, ein paar Ingenieure, keine Arbeiter, keine Köche, keine Sicherheitsleute, keine Hausmädchen, keine Professoren, kaum Piloten, kaum Sportler, kaum Journalisten, kaum Lehrer. Alle Dienstleistungen in Restaurants, Läden, Flughäfen oder Flugzeugen, Baustellen, Call-Centers, Ingenieurbüros oder in den Medien werden – ausser den Chefpositionen – von Ausländern übernommen. Und ohne deren Arbeitgeber – den sogenannten Sponsoren – habe sie in dem Land keine Rechte. Der Pass wird allen Angestellten erst einmal abgenommen – zusammen mit Blutproben und Fingerabdrücken, einen Ausreisebewilligung muss von allen beim Arbeitgeber beantragt werden und verlassen darf man das Land erst wieder, wenn es den Behörden genehm ist. Je tiefer sich die Arbeitnehmer auf der sozialen Skala befinden, desto schlimmer werden sie ausgebeutet. Während ein Journalist beim Fernsehsender Al Jazeera gut und gerne 15’000 Dollar pro Monat verdienen kann, kommen ein Bauarbeiter oder ein Taxifahrer kaum über 200 Dollar pro Monat. Und bei Mietpreisen von über 1500 Dollar für eine Zweizimmer-Wohnung kann es nicht erstaunen, wenn sich die einfachen Arbeiter nur ein Zimmer in einer Massenunterkunft leisten können. Die Reportage des Guardian zeigt das Schicksal dieser Arbeiter auf. (Guardian, 25.9.2013)

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